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Bienenkorbby Hollow Rune
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Bienenkorb

12 min read·September 27, 2026·
Bienenkorb

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Es war einer dieser frisch gestärkten Morgen, als käme er gerade aus der Mangel. Der Himmel und die betonierte Einfahrt harmonierten pastellig sauber in einer milden Luft.

Der Bungalow lag ruhig im rechten Winkel zur Straße und verströmte einen sommerlichen Geruch, hölzern und ein bisschen nach Farbe. Es war erst ein halbes Jahr her, dass sie ihn bezogen hatten und noch war nicht alles perfekt eingerichtet, aber diese Farbnote in der Luft war Monika angenehm, sie roch neu und ordentlich.

Sie schwang die Beine aus dem Bett, richtete sich auf, wehrte einen leichten Schwindel ab und stand vor der Frisierkommode. Sie nahm das Nachttuch vom Kopf, das sie trug, um ihre Frisur zu schützen und betrachtete sich im Spiegel. Eine junge, hübsche Frau schaute zurück, die man mit ihren großen dunklen Augen und ihren schwarzen Haaren durchaus für eine italienische Filmschauspielerin halten konnte, wie Monika schon oft gehört hatte. Sie mochte das, weil sie Italien liebte, die Eleganz, die Leidenschaft und oft dachte sie noch an ihre Hochzeitsreise, auf der Werner sie über Mailand, nach Venedig entführt hatte.

Mit dem großen Kamm richtete sie ihre Haare, befestigte sie mit Haarspray. Sie fühlte sich jetzt größer, angezogener und lief barfuß, im Frotteenachthemd, über den  Nadelfilz des Flurs, öffnete die Haustür und während sie verträumt in Richtung der Straße ging, spürte sie den schon warmen Beton des Weges unter sich. Prüfend setzte sie einen Fuß auf den jungen, kurz geschorenen Rasen, der sich gegen ihren nackten Fuß sträubte. Ein paar Schritte noch bis zum Gehweg, dort blickte sie die Straße hinauf und hinab. Bis auf drei Bauarbeiter in der Ferne, die am Wassernetz arbeiteten, war niemand zu sehen. Die Spitzhacke der Bauarbeiter und Motorenlärm in der Ferne tönten, sonst war es still.

Die meisten Frauen waren wohl in den Häusern, einige in der Stadt, zu Erledigungen. Ein alter Mann schlich mit seinem noch älteren Dobermann um den Block. Die Schelle des fahrenden Eierhändlers quengelte irgendwo in der Siedlung.

Die Welt war friedlich, beruhigt ging sie zurück ins Haus und schloss die Tür hinter sich.

Die plötzliche Stille, wie ein Druck auf den Ohren, ließ sie innehalten, ihre Beine wurden unsicher, der Schwindel kam zurück. Sie öffnete die Tür wieder, um noch etwas Luft und Geräuschkulisse hinein zu lassen, dann ging sie in die Küche.

Ihre Mutter hatte früher ähnliche Probleme gehabt und ihr empfohlen, morgens ein Gläschen Rotwein zu trinken, doch der schmeckte ihr nicht. Rotwein schmeckte nach Abend, nach langen Nächten und Geselligkeit. Werner hatte neulich für die Hausbar eine Flasche Amontillado gekauft, das ist ein Sherry aus Spanien, der schmeckt nach Sonne und guter Laune, ein bisschen süß und vielleicht auch nach Flamenco.

An Tagen, an denen sie einfach zu müde war, oder der Schwindel zu stark, trank sie davon ein Glas zum Morgenkaffee, oder nach dem Aufstehen.

Nun öffnete sie den Hängeschrank über der Arbeitsplatte und griff nach der Flasche, die hier bei anderen Mitteln einer kleinen Hausapotheke stand und schüttete ihr persönliches Medizinglas halb voll.

Mit dem Glas setzte sie sich an den kleinen Küchentisch und nahm einen vorsichtigen Schluck. Der erste Moment war scharf, aber als das Getränk ihren Mund ausfüllte und sich in ihren Kopf ausbreitete, wurde dieser schöne Morgen noch vergoldet.

Monikas Finger fuhr über die Tischplatte, die auch neu und sauber war. Auf ihr war ein Muster aus geraden Linien, grau in grau. Es hätte ein grober Stoff sein können, oder der Stadtplan von New York, aber dafür waren die Straßen nicht gerade genug.

Ihre häuslichen Pflichten waren überschaubar, jeden zweiten Tag kam eine Haushaltshilfe für die groben Arbeiten. Bis zur Vorbereitung des Abendessens, wenn Werner kam, war noch der ganze Tag Zeit.

So war da nur dieser schöne Morgen, in dem schönen Haus, sie und Fabian.

Sie war auch schön und jung, das sah jeder und sie spürte es an den Blicken der Leute. Sie fand ihren kleinen rot-weißen Sportwagen schön, der in der Garage stand. Werner hatte ihn ihr zur Geburt von Fabian geschenkt. Er brachte einen Präsentkorb ins Krankenhaus und der Autoschlüssel steckte darin. Dann winkte er sie zum Fenster des Wöchnerinnenzimmers und zeigte ihr den Wagen unten auf dem Parkplatz. Nie wird sie vergessen, wie sie damit das erste Mal in ihre alte Siedlung fuhr, die Blicke der Nachbarn, als sie Fabian in seiner Babytrage vom Rücksitz hob und zur Haustür ihrer Mutter trug.

Die hatte schon dahinter gewartet und strich zur Begrüßung anerkennend über Monikas neues Trevira Kostüm.

Fast hatte sie Angst, sich schmutzig zu machen, als sie durch ihr altes Zuhause ging, um es sich in Mutters guter Stube bequem zu machen. Bei Mutter war es immer sauber, aber auch alt, es roch nach altem Staub, jahrzehntelangem Kochen und ärmlich. Ja, es roch nach all den Dingen, die das Haus mit Monikas Familie erlebt hatte. Hunger, Sorge, Vermissen und Tod hatten die Räume über Generationen gefüllt. Unter dem Dach war Monikas altes Zimmer, ihre Mutter nutzte es nicht, immer noch mit dem durchwetzten Teppich und den Filmstarbildern an der Wand.

Monika fürchtete fast, ihr Kostüm könnte diesen Armutshauch annehmen und in ihrem neuen Haus wieder abgeben, es anstecken, seine Farben vergilben und den glänzenden Holzboden zerkratzen, dann wäre alles vergebens gewesen und das hätte Werner nicht verdient.

Ein Geräusch aus dem Kinderzimmer schreckte sie auf. Fabian! Sie ging in sein Zimmer, mit der Eisenbahntapete und dem flauschigen Teppich. Der Kleine streckte ihr die Arme entgegen und lächelte. Sie nahm ihn aus dem Bettchen und trug ihn schaukelnd durch das Zimmer. Oft wusste sie nicht, warum er etwas tat, warum er lächelte, weinte oder ihr lachend ins Gesicht schlug und meinte dann, sie müsse etwas machen, ihr Kind besser verstehen, oder erziehen. Aber das war schwer, woher soll man wissen, warum jemand etwas tut, oft weiß man es ja von sich selbst nicht!

Sie versuchte, lieb zu sein, eine gute Mutter, aber auch nicht zu gut. Ein bisschen streng müssen auch Mütter sein. Aber was sollte man wann sein?

Oft war sie beides zusammen und durcheinander. Dann fiel es ihr oft schwer, zu denken, oder nur zu stehen. Das lag auch an ihrem Kreislauf, unter dem sie schon immer litt, aber seit der Schwangerschaft noch mehr. Es gab Tage, da konnte sie gar nicht aufstehen, dann rief Fabian lange nach ihr und erst wenn er zu laut wurde, schaffte sie es, sich zusammen zu reißen und mit einem Ruck aus dem Bett zu springen.

Fabian kniff jetzt in ihre Nase und lachte, sie bat ihn, loszulassen, aber er hörte nicht auf. Sie schimpfte mit ihm, aber er lachte noch lauter und drückte ihre Nase noch fester, so dass ihr Tränen in die Augen traten.

Sie hielt seine Hände fest und stellte ihn hin.

Er stand noch wackelig auf den Beinen, krallte sich in Monikas Nachthemd und als sie sich losriss, setzte er sich unsanft auf den Boden und schrie wütend.

Sie wollte jetzt aber in die Küche, Wasser aufsetzen, um ihm Brei zu kochen. Als sie den Kessel füllte, fiel ihr Blick auf das Sherryglas, das dort noch stand. Ganz unten sah man noch einen Rand, eine edelsteinförmige Pfütze von dem dunklen Gold des Amontillados. Monikas Nase erinnerte den Geschmack. Sie zündete das Gas und setzte den Kessel auf den Herd. In dem Hängeschrank darüber waren die Medikamente und zwischen Kopfschmerztabletten und Heftpflaster stand die Amontilladoflasche, die Monika nun heraus nahm, um ihr Glas zu füllen. Sie nahm einen Schluck und spürte, wie gut er ihr tat.

Sie ging zurück zu Fabian und setzte ihn auf sein Rutschauto, aber als sie seine Windel wechseln wollte, pfiff das Breiwasser in der Küche. Sie eilte hin, um es auszuschalten, nahm den letzten Schluck aus dem Sherryglas und merkte auf dem glatten Flurboden, dass ihr Schritt etwas unbestimmter geworden war.

Fabian wackelte ihr entgegen, als er gerade aus dem Kinderzimmer strebte. Sie nahm ihn auf den Arm und legte ihn auf die Wickelauflage. Sobald er da lag, begann er wild in die Luft zu treten und zu lachen. Sie dachte an ein junges Fohlen, das in der Sonne springt, aber leicht machte er es ihr nicht damit. Sie musste sich zusammen nehmen, um seine Beine aus dem Schlafanzug zu befreien, ihn zu reinigen und wieder in frische Sachen zu packen. Zwischendurch kitzelte sie ihn, sie lachten beide, aber danach trat er noch wilder.

Endlich hatte sie Fabian fertig gewickelt und ihn komplett angezogen, die Strumpfhose über die Beinchen gepellt und die Knöpfe seiner Cordlatzhose alle verschlossen. Sie setzte ihn wieder auf sein Rutschauto, ging in die Küche und nahm den Brei aus dem Schrank. Sie nahm auch nochmal den Sherry, machte das Glas diesmal nur halbvoll.

Mit dem Brei ging sie zurück zu Fabian, aber sein Auto stand alleine im Flur. Sie schaute ins Kinderzimmer, das auch leer war, und stellte den Brei auf Fabians Tisch. Sie drehte sich noch einmal, ging dann in den Wohnbereich. Kein Fabian, kein Geräusch. Monika schaute in die Küche, die leer war. Aus einer Eingebung schaute sie in die Besenkammer-nichts. Sie rief Fabian, ohne Antwort. Der Bungalow war unheimlich still, nur Staub tanzte vor den Fenstern. Nun ging sie zur Schiebetür in den Garten, die nur einen schmalen Spalt offen stand, aber sie wollte sich sicher sein, öffnete sie und schaute auf den Rasen, die Büsche, ohne Fabian  zu entdecken. Sie schloss die Tür und ihr wurde schwarz vor Augen, ihr Herz ballte sich wie eine Faust. Kurz dachte sie an den Amontillado in der Küche, aber Fabian! Die Tür zum Elternschlafzimmer war geschlossen, Monika schaute hinein und wie erwartet, war Fabian hier auch nicht. Sie öffnete den Kleiderschrank, zerwühlte das Bett, ohne Ergebnis. Das angrenzende Bad war auch leer und so war das letzte verbleibende Zimmer, das Gäste WC.

Sie eilte dorthin und erschrak, als sie an der Haustür vorbei kam, die noch immer aufstand. Monika riss sie auf und schaute hinaus, rief Fabians Namen, ohne Antwort zu bekommen, schlüpfte in ihre Pantoffel an der Haustür und ging nun um das Haus herum, zuerst an den Büschen vorbei, in Richtung der Garage, um diese herum, zum Gartenzaun. Dann ging sie in die andere Richtung, die auch am Zaun endete.

Die Straße war menschenleer, der Bautrupp in der Ferne war das einzige Lebenszeichen. Monika war sich nun sicher, dass Fabian draußen war. Sie schaute unter jedes parkende Auto, in jede Einfahrt und jedes Gebüsch, während sie sich, ununterbrochen Fabian rufend, den Männern näherte. Als sie endlich vor ihnen stand, hatten sie die laut rufende, verwirrt wirkende Frau im Nachthemd schon lange beobachtet.

Monika fragte aufgeregt, ob sie ihren kleinen Jungen gesehen hätten, dann schilderte, wie sie vergessen hatte, die Haustür zu schließen und Fabian rausgelaufen wäre.

Der älteste der Männer redete beruhigend auf sie ein

und sagte, dass sie kein Kind gesehen hätten, während der jüngere und der Lehrling mehrdeutige Blicke über diese seltsame Frau tauschten. Der jüngere Mann, der sich auf seine Spitzhacke stützte, meinte, Monika solle zur nächsten Notrufsäule und die Polizei rufen und plötzlich wusste sie ganz genau, was sie tun musste: Werner! Werner im Büro anrufen! Der würde kommen und Fabian finden, er würde wissen, was zu tun ist! Ohne Gruß rannte sie in ihren Pantoffeln zurück, sich Werners Büronummer beschwörend vorsagend.

Nun war sie fast da, nur kurz den Weg durch den Vorgarten, sie klopfte auf ihre Vorderseite, wo normalerweise der Hausschlüssel in der Manteltasche war, aber sie fasste ins Nichts, da sie nur das Nachthemd trug. Jetzt hatte sie die Haustür erreicht, die sie vorhin hinter sich, aus Gewohnheit, zugezogen hatte, und griff bittend den golden eloxierten Griff. In ihr stieg eine Welle der Verzweiflung hoch und eine Wut, auf die Tür und auf sich, als der Griff sich nur im Rahmen des Türspiels bewegen ließ. Neben ihr war das Küchenfenster, verschlossen, durch das sie schaute. Um die Ecke begann der Gartenzaun. Monika ging ihn entlang, bis zu der Stelle, an der der Bewuchs etwas lichter war, und kletterte darüber, was sehr mühevoll war, besonders in dem langen Nachthemd, gleichzeitig spürte sie aber eine Energie in sich, die sie unaufhaltbar machte. Fabian, ihr Junge! Alles würde sie tun, damit er gefunden wird! Sie lief an der Außenwand vorbei in den Garten, zur Terassentür. Sie kam am Wohnzimmerfenster vorbei, das gekippt war, das war fast so gut wie offen! Sie stand davor und eine Bewegung hinter ihrem Spiegelbild lenkte sie ab. Näher an der Scheibe sah sie hinein und da war Fabian. Er hatte ihren Handarbeitskorb umgekippt und spielte mit den Wollknäueln. Sie rief laut: “Fabian!”, halb unbewusst, halb an ihn gerichtet. Der Junge reagierte und krabbelte in Richtung des Fensters. Monika steckte nun ihren Arm durch das gekippte Fenster und Fabian erreichte fast ihre ausgestreckte Hand.

Monika redete tröstend auf ihn ein, halb für ihn, halb für sich. Das Kind schaute neugierig zur Mutter auf, die nun versuchte, mit der Hand den Fenstergriff zu erreichen.

Aber das Fenster ließe sich nie öffnen, da ja ihr Arm im Weg war.

Monika meinte, vor Verzweiflung zerspringen zu müssen, so nah und doch unerreichbar vor dem Ziel. Sie stellte sich nun auf die Zehenspitzen und reckte sich etwas weiter, als das Fenster plötzlich nachgab und an ihrer Ecke krachend nach innen fiel. Monika versuchte, sich mit ihrer freien Hand abzufangen, und  sie fiel durch die Scheibe, nach innen, über den Heizkörper, auf den Parkettboden des Wohnzimmers und lag nun vor Fabian, der sie erstaunt ansah.

Sie warf sich auf ihn. “Fabian, Fabian, Fabian!” Beide lagen auf dem Boden, vor dem zerstörten Fenster. Monika hatte die Augen geschlossen und weinte vor Glück, streichelte Fabians Kopf und küsste ihn, bis ihre Finger feucht und klebrig waren.

Sie öffnete die Augen und stellte fest, dass Fabian und sie über und über blutverschmiert waren. An ihrer Hand und dem Arm waren Schnitte, die bluteten, aber die größte Menge des Blutes lief über ihr Gesicht. Zwar hatte ihre Frisur sie vor den schärfsten Scherben geschützt, doch aus einem Schnitt auf ihrem Kopf sickerte das Blut unaufhörlich.

Mit Fabian auf dem Arm ging sie in die Küche, riss sich von der Zewarolle auf der Arbeitsplatte ein paar Blatt ab und wischte sich grob sauber. Fabian malte begeistert mit dem Blut in Monikas Gesicht und war mittlerweile selbst über und über befleckt. Monika öffnete den Medikamentenschrank und nahm die Packung mit den Heftpflastern heraus. Einhändig schnitt sie ein passendes Stück ab und klebte damit die Wunde auf ihrer Kopfhaut zu. Die Armverletzung hatte sie abgewischt und das musste für den Augenblick reichen. Im Hinausgehen nahm Monika

noch Sherryflasche und Glas vom Tisch und ging mit Fabian ins Schlafzimmer.

Mit dem Fuß stieß sie die Tür auf, legte den Jungen auf das Bett und schüttete das Glas bis zum Rand voll, mit der altgoldenen Flüssigkeit, die nun verheißungsvoll duftete. Monika nahm einen tiefen Schluck und ihre ganze Sorge, ihre Angst, begannen sich gnädig aufzulösen. Sie kuschelte sich an das Kind und begann ein Lied zu summen, das sie vergessen hatte, aber das ihr plötzlich einfiel.

Jetzt erkannte sie es, es war ein Lied aus ihrer Kindheit, das ihre Oma ihr immer vorgesungen hatte! Es handelte von schönen, jungen Feen und einem Wassermann, aus der Zeit, in der sie noch glaubte, in einem wunderbaren Märchen zu leben, und sie einen Lieblingshasen in dem kleinen Stall im Garten hatte.

Der Wassermann freite und baute ihr eine Brücke, sie heirateten und hatten Kindlein, aber die Fee wollte nach Hause. Doch ein Kind sollte geschlachtet werden, wie es auch ihrem Lieblingshasen geschah, da blieb sie bei ihm. Monika schaute auf das trocknende Blut überall und schenkte das Glas wieder voll.

Sie summte weiter für den aufmerksam lauschenden Fabian und träumte halb, wieder ein Kind zu sein. Ein liebes Kind wollte sie sein, so lieb, dass das Fenster und die ganze Welt wieder heile sind. Dann könnte Werner auch nicht böse sein. Manchmal machte es ihr Spaß, sich tagsüber auszumalen, wie böse Werner wohl werden könnte. Nur im Spaß, eigentlich wollte sie ein schönes Essen machen, das sie zusammen essen würden. Aber wenn er böse wird, dann will sie ganz lieb sein, noch lieber, als jemals zuvor. Dann wird Werner vielleicht auch lieb, dann wären sie beide lieb und dann schliefen Fabian und sie auf dem großen Ehebett ein.

 

Als Werner abends die Tür aufschloss, roch er kein Essen, was ungewöhnlich war.

Der Bungalow schien leer, aber im Wohnzimmer sah er das ausgebrochene Fenster und das Blut auf dem Boden. In größter Sorge suchte er weiter und fand Monika und Fabian blutverschmiert im Schlafzimmer schlafend.

Die herbeigerufene Rettungswagenbesatzung stellte bei Monika eine Platzwunde und eine vermutliche Alkoholvergiftung fest und brachte sie, zur Beobachtung, ins Krankenhaus. Fabian kam zu Monikas Mutter, die sich um ihn kümmern sollte, da Werner im Büro unabkömmlich war. Das Fenster ließ er am nächsten Tag reparieren. Monika wurde in eine spezialisierte Privatklinik verlegt und rührte nie wieder einen Tropfen Alkohol an. Sie zog zurück zu ihrer Mutter, in ihr altes Mädchenzimmer, das noch bereit stand. Die ersten Jahre teilte sie es sich nun mit Fabian, bis sie mit ihrer Mutter ins Schlafzimmer zog, damit der Junge ein eigenes Zimmer bekam. Werner heiratete kurz nach der Scheidung wieder und wurde noch mehrfach Vater.

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SS-10A1-2C26
Title

Bienenkorb

Published

27 September 2026

Word Count

2,850

Genre

Drama

Reference
SS-10A1-2C26

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